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    Ratgeber

    Das Mitarbeitergespräch neu gedacht – Erkenntnisse aus Praxis und Forschung

    Das Mitarbeitergespräch (MAG): Für manche zielführend und wichtig, für andere eine Qual und nicht wirklich wertstiftend. Dr. Meike Wiemann-Huegler und Stephan Richter haben die Tradition des MAG in ihrem Workshop auf der DIGICON24 kritisch hinterfragt. Stephan brachte hierbei seine langjährige Praxiserfahrung im Bereich Prozess- und Softwareberatung im Talent Management Umfeld als Projektleiter und Business Consultant …

    28. Oktober 2025

    Das Mitarbeitergespräch (MAG): Für manche zielführend und wichtig, für andere eine Qual und nicht wirklich wertstiftend.
    Dr. Meike Wiemann-Huegler und Stephan Richter haben die Tradition des MAG in ihrem Workshop auf der DIGICON24 kritisch hinterfragt.

    Stephan brachte hierbei seine langjährige Praxiserfahrung im Bereich Prozess- und Softwareberatung im Talent Management Umfeld als Projektleiter und Business Consultant bei der Abacus Umantis AG ein. Ergänzt wurde dies durch die wissenschaftliche Perspektive von Meike, die als Forscherin und Lehrbeauftragte an der Universität St. Gallen tätig ist und sich umfassend mit den Themen Vertrauen und Motivation in Organisationen beschäftigt.

    Im Nachgang zum Workshop haben wir die beiden nochmal zu den wichtigsten Aspekten befragt:

    Tipp: Feedforward- und partizipative Ansätze können klassische MAG sinnvoll ersetzen und Mitarbeitermotivation steigern.

    1. Stephan: Wie sieht ein klassisches MAG aus und warum ist es deiner Meinung nach nicht mehr zeitgemäss?

    Ein klassisches MAG folgt in der Regel einem jährlichen Zyklus und umfasst meist einen Rückblick auf die Zielerreichung, Aufgaben, Kompetenzen sowie die Festlegung von Entwicklungszielen und Verhaltenskriterien. Diese werden häufig durch Rankings und Bewertungen ergänzt, die zu einer Gesamtnote oder Beurteilung führen.

    Es ist jedoch aus verschiedenen Gründen nicht mehr zeitgemäss. Erstens werden oft zu viele Ziele verfolgt, was zu einer Überforderung der Mitarbeitenden führen kann. Zweitens steht oft der Bonus im Vordergrund und nicht die tatsächliche Leistung. Drittens wird das Verfahren von einigen Mitarbeitenden als Kontrolle oder Zwang empfunden. Zudem werden oft Themen diskutiert, die Monate zurückliegen und wenig mit dem aktuellen Arbeitsalltag zu tun haben, was den Eindruck von mangelnder Aktualität und Individualität vermittelt.

    Viele Unternehmen, die uns auf unsere innovativen MAG-Lösungen ansprechen, bemängeln, dass das klassische MAG oft zu kompliziert und zeitaufwändig sei und zudem oft keinen klaren Mehrwert biete und häufig zum falschen Zeitpunkt stattfinde.

    2. Meike: Was sagt die Forschung dazu? Welche Auswirkungen hat ein klassisches MAG?

    Der Gallup Engagement Index 2023 zeigt, dass nur noch wenige Mitarbeitende wirklich engagiert sind – 72% der Befragten geben an, innerlich bereits gekündigt zu haben („quiet quitting“). Diese Zahlen verdeutlichen: Die Förderung der Motivation ist dringend notwendig. Ein gut konzipiertes, wertschätzendes Gespräch kann hierbei unterstützen.

    Allerdings ist Feedback nicht gleich Feedback. Studien zeigen, dass Feedback nur dann positiv wirkt, wenn es von einer Person kommt, deren Absichten als wohlwollend und fördernd wahrgenommen werden. Wertschätzung ist einer der grössten Treiber für Motivation und Performance. Wichtig ist daher, dass Feedback von Personen kommt, die die Mitarbeitenden tatsächlich erleben.

    Zudem sollte im MAG nicht zu viel Druck oder Angst erzeugt werden, da dies die Konzentration und Entwicklung der Mitarbeitenden hemmen kann.

    Warnung: Zu viel Druck oder Kontrolle im MAG kann die Motivation und Leistungsfähigkeit erheblich senken.

    3. Rankings und Ratings – ein Rückschritt?

    Einige Unternehmen kehren zu Rankings zurück, etwa SAP. Davon halten die Interviewpartner nichts: Die Forschung zeigt, dass Rankings und Ratings eher urteilen als coachen. Mitarbeitende empfinden sie als statusmindernd und demotivierend, was die Zusammenarbeit zerstört. Statt einer Kultur des Coachings entsteht eine Kultur des Vergleichs.

    4. Was sollten Unternehmen stattdessen tun?

    Partizipative, adaptive, lernorientierte und transparente MAG stärken Vertrauen und Kooperation. Teamziele und stärkenorientierte Rollenverteilungen fördern Zusammenarbeit stärker als individuelle Wettbewerbsziele. Ein modernes Alternativkonzept ist das sogenannte Feedforward-Gespräch.

    5. Wie könnte ein Feedforward-Gespräch aussehen?

    Im Feedforward-Gespräch werden erfolgreiche Situationen reflektiert, deren Ursachen analysiert und daraus zukünftige Handlungsstrategien abgeleitet. Mitarbeitende und Führungskräfte planen gemeinsam, wie zukünftige Aufgaben auf Basis der individuellen Stärken optimal gestaltet werden können.

    6. Stephan: Hast du eine innovative Alternative zum klassischen MAG?

    Ja, das Konzept „Mein Beitrag“. Es konzentriert sich auf eine einfache, aber effektive Frage: „Was kannst du zum Erfolg beitragen?“ Diese Selbstreflexion ist über alle Hierarchieebenen hinweg anwendbar und fördert Eigenverantwortung und Agilität. Das Gespräch findet nur statt, wenn es als sinnvoll empfunden wird – flexibel und freiwillig.

    7. Werteorientierte MAG

    Unternehmen sollten ihre Werte nicht nur abfragen, sondern leben. Ein Beispiel: Wenn „Vertrauen“ ein Unternehmenswert ist, sollte im MAG reflektiert werden, wie dieser Wert im Arbeitsalltag sichtbar wird. Noch besser ist es, wenn dieser Wert aktiv in Prozesse integriert wird.

    8. Team-MAGs

    Teamgespräche können dazu beitragen, gemeinsame Ziele zu reflektieren, Fortschritte zu teilen und Zusammenhalt zu fördern. Wichtig ist ein respektvoller Umgang mit Kritik – z. B. durch einen Code of Conduct für Feedback im Team.

    Ein erfolgreiches Mitarbeitergespräch bringt Mehrwert, ist aktuell und flexibel gestaltet. Mit wissenschaftlich fundierten und praxisnahen Ansätzen wie Feedforward und Mein Beitrag können Unternehmen die Motivation und Zusammenarbeit deutlich steigern.

    Entscheidend ist, dass alle – von Führungskräften bis Lernenden – Verantwortung übernehmen, das MAG zu einem wertschöpfenden Gespräch zu entwickeln.

    Vielen Dank für das Interview, Dr. Meike Wiemann-Huegler und Stephan Richter.

    Was ist ein Feedforward-Gespräch?

    Ein Gespräch, das den Fokus auf zukünftige Stärken und Erfolge legt, anstatt auf vergangene Fehler und Bewertungen.

    Was sind die Nachteile klassischer MAG?

    Sie sind oft zu starr, bewertend und erzeugen Druck statt Motivation. Zudem fehlt häufig der Bezug zum aktuellen Arbeitsalltag.

    Wie fördert Feedback Motivation?

    Feedback wirkt motivierend, wenn es wertschätzend, individuell und von einer vertrauenswürdigen Person kommt.

    Sind Rankings und Ratings sinnvoll?

    Die Forschung zeigt, dass sie eher Konkurrenz als Zusammenarbeit fördern – und damit langfristig schädlich sind.

    Wie können Unternehmen MAG modern gestalten?

    Durch flexible, partizipative Formate wie „Feedforward“ oder „Mein Beitrag“, die auf Vertrauen, Eigenverantwortung und Agilität setzen.

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